Geschichten für die Lebenswirklichkeit

Was für ein wohltemperierter Abend. Inhaltlich! Ansonsten herrschte tropische Schwüle, und alle Planungen waren auf „draußen“ ausgelegt. Dann verschlechterten sich die Wettervorhersagen. Die für „draußen“ geplante Veranstaltung musste nach innen verlegt werden. Die „guten Geister“ der BGFG haben das bravourös gemeistert. Der prognostizierte Stark-Regen mit Unwettertendenz kam dann auch tatsächlich – nach der Lesung.

Regula Venske und Peter Kay:
„Flüchtlingsgespräche“ bei „Kultur vor Ort“

Jedenfalls: Die Zuhörer hat das Wettertohuwabohu nicht aufgehalten. Das wiederum belegt, dass „Kultur vor Ort“ mittlerweile einfach „dazugehört“, zur BGFG, zum  baugenossenschaftlichen Miteinander. Regula Venske, hochdekorierte Schriftstellerin und neue Präsidentin der deutschen Sektion des 1921 in England gegründeten, international agierenden Autoren-Verbandes PEN (poets – essayists – novelists) bewies einmal mehr, was für eine wunderbare, hintergründig ironische Autorin sie ist – und was für eine engagierte Verbandsmanagerin. Mit der ihr eigenen, unterhaltsamen Leichtigkeit verband sie spielerisch beides:

Sie stellte zwei Geschichten vor, die sich humorig tödlich mit dem „ Wohnen“ und den „lieben Nachbarn“ beschäftigten  und zugleich PEN, der sich als Anwalt des freien Wortes etabliert hat – der verfolgte und unterdrückte Schriftsteller unterstützt und eine wichtige Stimme für sie ist. Die deutsche Sektion bietet zudem bedrohten Autoren, die oft genug unter Lebensgefahr publizieren, für einige Zeit  Heimstatt und Hilfe in Deutschland an. Und genau an dieser Stelle „traf“ sie sich mit BGFG-Vorstand Peter Kay. Denn der hatte mit anderen Baugenossenschaften an einem „Hamburger-Programm“ mitgearbeitet, dass Flüchtlinge das Wohnen in normalen Wohnungen ermöglichen sollte: Es gab den Plan im Schnellverfahren Wohnungen zu bauen, die dem Sozialwohnungsstandard entsprachen und zugleich die Perspektive bieten sollten, nach wenigen Jahren in reguläre Wohnungen umgewidmet zu werden. Ein in Deutschland einmaliges Unterfangen, aus dem die BGFG mittlerweile leider aussteigen musste. Peter Kay beschrieb den großangelegten Versuch launig informativ. Vielleicht bleibt dieser Abend gerade deshalb in Erinnerung. Denn Moderator Michael Friederici schlug eine Brücke zwischen den Arbeiten von Regula Venske und Peter Kay. Vielleicht wird dieses gerade begonnene Gespräch der beiden, über eine ganz praktische Hilfe für Flüchtlinge, deshalb ja fortgesetzt … In einem Interview hat Regula Venske einmal ihre Arbeit vorgestellt – und dabei auch das Programm von „Kultur vor Ort“ umrissen: „Meine Geschichten“, sagte sie, „müssen immer irgendwo konkret in der Lebenswelt verankert sein, sonst funktionieren sie nicht.“ Eben!

Eine Veranstaltung der BGFG. Informationen unter Tel. (040) 21 11 00-66

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