Ein sehr lebendiger Abend
über Tote im Fleet

Lesung und unterhaltend informatives Gespräch zwischen Boris Meyn und Peter Kay auf Schmuckshöhe

Als es im schönen Nachbarschaftsraum der Schmuckshöhe schon zehn Minuten vor Beginn keinen leeren Stuhl mehr gab, spätestens da war klar, dass etwas Besonderes stattfinden musste. Und als dann Singer-Songwriterin Theresa Dold mit ihrer ganz außergewöhnlichen Stimme den Abend eröffnete, da war auch das ungemütlich kalte Herbstwetter da draußen vergessen. Boris Meyn, promovierter Kunst- und Bauhistoriker stellte am Donnerstag (13. Oktober) seinen Debüt-Roman vor. „Der Tote im  Fleet“ kam vor 16 Jahren heraus, entwickelte sich gleich zum Bestseller und verkauft sich bis heute blendend. Dem inzwischen sehr bekannten Autor ist mit seinen mittlerweile zahlreichen Publikationen etwas ganz Außergewöhnliches gelungen: Kluge und  zugleich spannende Unterhaltung!

2016 Lesung in Ohlsdorf, Schmuckshöhe, mit Boris Meyn, Foto BGFG ERWie gut das zusammengehen kann, wenn man es kann, das bewies er an diesem Abend. Denn  seine Publikationen zur (Architektur-)Geschichte Hamburgs zeichnen sich nicht nur durch präzise Recherche aus, sondern belegen, wie aktuell und gegenwärtig die Vergangenheit ist. An den Stadtplanungen Hamburgs nach dem großen Brand Mitte des 19. Jahrhunderts belegte er, dass es schon damals beim Bauen oft genug nur um das Eine ging: Viel Geld – und nicht etwa um das architektonische Profil einer Stadt. – Baugenossenschaften „ticken“ da anders, sie bieten, wie eine Broschüre zum 80jährigen Bestehen der BGFG betitelt worden ist, „Mehr als ein Dach über dem Kopf“.

Der  Beginn eines spannenden Dialoges, der fortgesetzt werden sollte? – Hoffentlich!

Peter Kay vom Vorstand der BGFG erzählte an diesem Abend im Gespräch mit Boris Meyn, vor welchen Schwierigkeiten eine Baugenossenschaft steht, die nicht nur Bausubstanz erhalten will, sondern auch ganz bewusst andere Akzente als „der Wohnungsmarkt“ setzen will. Der Seiltanz aus EU-Recht, Klimaschutz- und Energieeinsparverordnung, Denkmalschutz … und, und … macht es, das wurde deutlich, nicht ganz leicht, „architektonische Marken“ zu setzen und auch noch die Balance aus Nachhaltigkeit und Ökonomie zu halten. Boris Meyn, der nicht nur literarisch, sondern auch ganz praktisch den Diskussionsprozess um das „Gesicht Hamburgs“ begleitet, wollte denn auch nicht in der Haut von Peter Kay stecken. Eines aber betonte er eindringlich: Baugenossenschaften, sagte er, besitzen gerade durch ihre Organisationsform, die Mitgliederschaft und ihre wirtschaftliche Kraft ideale Voraussetzungen dafür, das architektonische und soziale Profil des Wohnungsbaus in der Hansestadt zu prägen. Ein Statement, dem Peter Kay unbedingt zustimmte, zumal er Boris Meyn gleich einige Vorschläge für weitere Krimis aus dem Bereich Wohnungsbau in Hamburg machen konnte … Kurzum: Ein erhellendes, informatives, ja, und auch kurzweiliges Gespräch zwischen dem Autor und dem Baugenossenschaftler, moderiert von Michael Friederici. Vor allem aber, ein Gespräch, das hoffentlich erst ein Anfang für weitere öffentliche Dialoge dieser Art gewesen ist.

Eine Veranstaltung der BGFG. Informationen unter Telefon (040) 21 11 00-66.

ribeaucourt   Hinterlassen Sie einen Kommentar


Schreiben Sie den ersten Kommentar.

Kommentieren