Kultur vor Ort:
Abrechnung auf Schmucks Höhe

Hinreißend, informativ und lecker:
„Abrechnung“ heißt der letzte Roman des derzeit international wohl bekanntesten griechischen Autors, Petros Markaris. Der Schauspieler Oliver Hermann, seit 13 Jahren Ensemblemitglied beim Hamburger Jedermann, las am 7. Oktober im Gemeinschaftsraum auf der Schmuckshöhe daraus vor – und wie.

Spannung zu erzeugen, das können viele, aber einen Krimi als soziale Erzählung zu konzipieren, dazu gehört mehr. Petros Markaris ist ein höchst aufregender Autor, der zwischen Populär- und Hochkultur, zwischen Deutschland und Griechenland, zwischen Theater, Kino und Prosa oszilliert. Er ist gelernter Volkswirt, war ein enger Mitarbeiter von Theo Angelopoulos, dem wichtigsten griechischen Regisseur; er übersetzte u.a. Brecht und Goethes Faust aus dem Deutschen – kurzum: Er ist ein Könner, der viel mehr kann, als spannende Geschichten zu erzählen. Sein Boden der Tatsachen ist das Athen von heute, das gebeutelte Griechenland, das gerade in ein Armutshaus verwandelt wird. Passend dazu spielte das ganz wunderbar musizierende Trio Amarynda Rembetiko, diese unglaublich faszinierende und zugleich temperamentvolle Musik aus „Athens Unterstadt“. Wobei die Stimme der Sängerin Artemis Ioannidou… besondere Erwähnung verdient. Dass Diplom-Soziologe Gerd Lütjens in einem Gespräch mit Michael Friederici die Hintergründe Geschichte des finanziellen Austrocknens Griechenlands erzählte, rundete den gut besuchten Abend ebenso ab, wie der griechische Imbiss von Colin. Kurz und gut: Das war – wieder einmal – ein ganz besonderer Abend im Rahmen der Reihe „Kultur vor Ort“ – musikalisch hinreißend, spannend, informativ – und sehr, sehr lecker!

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