Kultur vor Ort: In meerblauen Schuhen durch den schwarzen Kontinent

Gewichtige Menschen sind schön – und wichtig. Zumindest in Kamerun. Was der Mathematiker Dr. Roger Fandom am Abend des 18. September im Nachbarhaus Wagrierweg in Niendorf aus den Augen eines Afrikaners, der nach Deutschland kommt, berichtete, das hatte die Qualität einer höchst unterhaltsamen Reise in „den Blick der anderen“. Überhaupt: Was für ein Abend. „Kultur vor Ort“ entwickelt sich langsam aber sicher zu einem attraktiven Publikumsmagnet – und das nicht nur für die BGFGler.

„Die Hütte“ stand ganz im Zeichen der „Wiege der Menschheit“, Afrikas, und war proppenvoll, es gab keinen freien Stuhl mehr. Und die ca. 60 Besucher erlebten ein Programm, das gut unterhielt, informierte – und schmeckte.
Den Kern des Abends, um den sich alles drehte, bildete der Roman „Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy“. Es geht um Kingsley, der mit seinem ehrlichen Gesicht und seiner Bildung unter der Obhut seines gewieften Onkels Weiße in Europa und den USA mit originellen Geschäftsideen ausnimmt, mit Mails, die wir alle schon einmal im elektronischen Briefkasten hatten: „Ich bin Dr. xxx einer der Direktoren einer Bank hier in Nigeria. Sie müssen Sie mir bei der Ausführung eines Business-Projekt von unserer Bank im Wert von US $ 21,1 Millionen zu unterstützen …“ Und wehe, Sie antworten … Nach vorsichtigen Schätzungen gibt es täglich mehrere Hundert solcher Fälle. Es gibt eine Schätzung, die allein für Deutschland den Schaden durch diese Sorte Betrug auf sage und schreibe 280 Mio. US-$ beziffert! Kingsley gehört zu einer solchen Bande. Er hat Geldsorgen, will heiraten und seine Familie ernähren. Auf ehrliche Art und Weise scheitert er ein ums andere Mal. Dann lässt er die Dollar mit seinem Onkel Cash Daddy und dessen Freun­den World Bank, Money Magnet und Pounds Sterling im »Club der coolen Knete« rollen. Die Geldsorgen sind vergessen, auf einmal gehört ihm die Welt.

Asad Schwarz-Msesilamba, ein höchst gefragter Theater- und Filmschauspieler aus Berlin, der  mit seiner Stimme schon über 300 Hörbücher eingelesen hat, versetzte den Text in Schwingungen, die nahtlos in die südafrikanischen Grooves von Hinrich Dagefoer und Dumisani Mabaso übergingen. Der Südafrikaner, wuchs in Dube, Soweto / Johannesburg auf. Nach den Schüleraufständen 1976 landete er in London, war Mitbegründer der legendären „Sounds of Soweto“ und ist mittlerweile in Hamburg zuhause. Und weil auch die Liebe zur Kultur eines Kontinents durch den Magen geht gab die studierte Biologin Denise Nkemazon einen kleinen, aber ganz wunderbaren Einblick in die unglaubliche Vielfalt der Geschmackserlebnisse, die der uns immer noch so unbekannte Kontinent Afrika bietet. Moderator Michael Friederici stellte die Gäste, ihre ungewöhnlichen Lebensläufe – und ihr Ankommen und Leben im anderen Land in kurzen Gesprächen mit ihnen vor; Ingo Theel, Vorstand der BGFG, führte in diesen ganz außergewöhnlichen Abend ein- und aus. Und was Vicky Gumprecht und ihr Team für Niendorf auf die Füße gestellt hatten, das  lässt einiges für den 29. Oktober auf der Schmuckshöhe erwarten. Denn da läuft die nächste Veranstaltung „Kultur vor Ort“, mit Gernot Gricksch, dem Mann, der die Romanvorlagen und Drehbücher zu Filmen wie „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, „Freilaufende Männer“, „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ (die letzten beide mit Wotan Wilke Möhring in der Hauptrolle) geschrieben hat: Spannend, witzig – und von daher – wichtig und äußerst gewichtig!

Weiterlesen oder weitere Bilder anschauen unter: Niendorfer Nachbarn / Lesung Afrika
Kultur vor Ort – Die nächste Lesung in Ohlsdorf: Schmuckshöhe 1a am Mi., 29. Oktober um 19 Uhr.

Eine Veranstaltung der BGFG. Informationen unter Tel. (040) 21 11 00-66.

 

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