Kultur vor Ort:
Swing in Alsterdorf…

Entweder man hat ihn oder man hat ihn nicht, den Swing. Kako Weiß und sein Trio haben ihn, den Swing – und den Tango sowieso – und wie. Sie lockten selbst in allen gewerkschaftlichen Ehren ergraute Baugenossenschaftler auf die Tanzfläche. Fest steht, wer am Sonntag im Gemeinschaftshaus der BGFG in der Bilser Straße in Alsterdorf nicht dabei war, der hat etwas verpasst. Denn es ging ja an diesem langen Nachmittag, der von 16 bis 20 Uhr dauerte, um viel mehr, als um die Musik. Erstaunlich, die Parallelen der großen Depression von 1929 mit der gegenwärtigen Krise, die ja mindestens ebenso einmalig und besonders wie die „Gegenmittel“ „alternativlos“ sein sollen. Wieder einmal.

Michael Friederici führte in die Frühgeschichte des Jazz, insbesondere des Swing ein, und berichtete über die Hamburger Swing Kids, die sich weigerten, die nationalsozialistische Deutschtümelei mitzumachen. Das Thema „Swing“ hatte Vicky Gumprecht nicht zufällig gewählt: Hamburg galt als Mittelpunkt der sog. Swing-Heinis, die sich auf der Straße auch schon „Hot-old-Boy“ (die Jungs) und „Swing-Baby“ (die Mädchen) ansprachen oder das
„Heilsgehabes“ der damaligen Zeit mit „Swing Heil“ und „Heil Hotler“ ironisierten. Das brachte etlichen von ihnen KZ ein…

Diese ganz besondere Geschichte des Swing bildet auch den Hintergrund von Friedrich Dönhoffs Kriminalroman „Savoy Blues“, aus dem der Hamburger Schauspieler Michael Bideller ganz vorzüglich vorlas: Ein junger Kriminalkommissar wird in unseren Tagen mit drei Morden konfrontiert, deren Ursache in den 40er Jahren liegt, bei den Hamburger Swing-Kids.

Und dann kam Kako Weiß und sein Trio (zusammen mit Patric Pagels –g- und Axel Burghardt –b-). Kako Weiß entstammt der Hamburger Linie der berühmten Musikerfamilie Weiss, die in Wilhelmsburg lebt, hat am Konservatorium studiert und z.B. schon zusammen mit Lee Curtis oder The Comets gespielt. Was die drei zeigten, bzw. hören ließen, das war mehr, als ein schlichtes Konzert. Dazu gehörte, dass sich auch einige Vertreter der wachsenden Swing-Scene Hamburgs nach Alsterdorf getraut hatten. Nun ja, es gab ja auch, wie immer bei den BGFG-Veranstaltungen, ganz wunderbare Kleinigkeiten…

Wie der Nachmittag denn nun wirklich war? „Wenn du erst fragen musst“, heißt eine Antwort auf die berühmte Frage nach dem Jazz, „dann wirst du es nie verstehen.“

Kultur vor Ort: Wandsbeker Wohnzimmerlesung mit Gunter Gerlach im März 2013

Eine Veranstaltung der BGFG, Informationen: Tel. (040) 21 11 00-66

 

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