Die Oma will betüddelt sein

Lesung am 16.10.12, Gedanken von Michael Friederici

Jan Schröter und die Anstandsherren traten in Alsterdorf auf
Wichtige Vorbemerkung: Die gut besuchte Veranstaltung „Mogelpackung“ im Nachbarschaftstreff in Alsterdorf endete früh genug, dass alle Fans den Irrsinn zwischen Deutschland und Schweden noch zuhause miterleben konnten.
Ja, der Autor Jan Schröter und das Gitarrenduo „Anstandsherren“ waren weit mehr als das richtige Vorspiel. Es lag wohl auch an diesem für Kulturveranstaltungen geradezu prädestinierten Ort, dass sich die drei geradezu die Bälle zuspielten. Die Anstandsherren, das sind zwei junge Männer, die ganz selbstverständlich in deutscher Sprache vom Festhalten und Loslassen, vom Hinfallen und Wiederaufstehen swingten – und sogar eingängige Noten und Texte für Billstedt bei Nacht fanden. Sie machen einfach richtig gute Musik und arbeiten derzeit an ihrer ersten CD…
Jedenfalls: Die „Mogelpackung“ fand damit ihren richtigen musikalischen Rahmen. Ach was, es war viel besser: Die Anstandsherren und Jan Schröter spielten sich die Bälle zu wie Fussballprofis!

Die Frauenzeitschrift „brigitte“ hatte Jan Schröters neuen Roman „Mogelpackung“, aus dem er las, auf die Liste der „besten Taschenbücher für den Sommer“ gesetzt. Er passt auch richtig gut in den Herbst – und in den Winter sowieso. Man merkt einfach, dass Jan Schröter als gefragter Fernseh- und Filmautor gewohnt ist Spannungsbögen aufzubauen, Komik auf den Punkt zu inszenieren – und vor allem gut (!) zu unterhalten. In der „Mogelpackung“ erzählt er hinreißend vom Mittdreißiger Fredo, dessen Leben gerade aus den Fugen gerät. Denn dieser Zeitgenosse hat an einem Tag seinen Job als Schreiber für eine Fernsehserie verloren und seine Freundin mit seinem Chef erwischt. Also entschließt er sich, einmal richtig auszuspannen und das Haus seines reichen Bruders in einer Kleinstadt einzuhüten, dessen Teenager-Kinder zu beaufsichtigen und die Oma, die langsam vergesslich wird zu betüddeln. Aus dieser Konstellation entfaltet Jan Schröter die Absurdität eines stinknormalen Alltagslebens im Einfamilienhaus. Dabei schont er sich selbst auch kein bisschen: Wie Jan Schröter von seinen Autoren-Lehrjahren als Horoskopschreiber bei einer Fernsehzeitschrift erzählt, allein das wäre einen ganzen Abend wert, meinte das Publikum – und die Anstandsherren auch.

Eine Veranstaltung der BGFG, Informationen (040) 21 11 00-66

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