Hofbühne Rothenburgsort

Lesung am 10.08.2012, Gedanken von Michael Friederici

Oh Himmel, strahlender Azur, enormer Wind die Segel bläh“ – Wer ihn noch nicht erlebt hat, der hat etwas verpasst! Peter Franke, eines der markantesten und profiliertesten Gesichter im deutschen Film und am Theater, ist nicht nur ein brillanter Erzähler, er ist auch ein wunderbarer Entertainer: rotzfrech, gern ein bisschen schlüpfrig, immer politisch – kurzum: hinreißend. Zusammen mit seinem Partner, dem musikalischen Leiter des Engelssaales, Herbert Kauschka (am E-Piano), versetzte er am vergangenen Freitag das Publikum in so bewegte gute Laune, dass selbst bei ruhiger See eine Brigg ins Schlingern geraten wäre.

„Die Hochsee ist ein wildes Weib“ hieß das passende Programm (nach einem Text von Walter Mehring, einem der interessantesten Satiriker seiner Zeit, den 20ern), mit dem
Franke in Rothenburgsort „umsonst und draußen“ vor dem „Kleinen Rathaus“ anlegte. Rund 45 gestandene Hanseaten bewiesen am Vorabend des Sommerfestes, dass sie, gestärkt von vorzüglichem Labskaus, auch mit festem Boden unter den Füßen Windstärke 8 nachstellen können. „Sie würden nur zum Himmel fahren, wenn man dort Schiffe fahren lässt”, heißt es schließlich in der Seeräuberballade des jungen Brecht – über die wilden weichen Kerls.  So drehte sich an diesem Abend alles um die „christliche“ Seefahrt, um „Matrosen, die Liebe, das Leben – und die wilde, wilde See“, um die große Sehnsucht und das dunkle Verderben – mit Texten, Liedern und Balladen von Walter Mehring bis zum Lili Marleen-Autor Hans Leip (der einst als Lehrer der Knabenschule Rothenburgsort arbeitete), von Brecht bis Tucholsky und Ringelnatz. Am Ende ließen sich selbst die sprödesten Hanseaten von Peter Frankes Interpretationen in die offene Weite verführen. Denn es passierte einiges, an diesem Sommerabend in der Marckmannstraße, so viel, dass am Ende selbst überzeugteste Rothenburgsorter „zurück nach St. Pauli – Altona“ wollten.


Eine Veranstaltung der BGFG, Informationen unter (040) 21 11 00-66

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